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Emirat Schardscha
Schardscha, alternative Schreibweise Shariqah, engl. Sharjah) ist eines der sieben Emirate der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE).
Schardscha besteht aus fünf Teilterritorien, von denen das bei weitem größte mit der gleichnamigen Hauptstadt am Persischen Golf liegt und das Teilstück Adschmans, auf dem dessen
Hauptstadt liegt, landseitig völlig umschließt. Die vier weiteren etwa gleich großen Teilstücke liegen an der Ostküste am Golf von Oman. Drei davon haben einen direkten Zugang zum Meer
und heißen von Norden nach Süden Dibba al-Husn, Chaur Fakkan und Kalba. Ein Teilstück liegt im Hinterland und schließt an einem Verbindungspunkt an das südlichste dieser drei Territorien
an. Schardscha hat auch wichtige Oasengebiete, deren bekanntestes Dhaid ist, wo eine weite Palette von Früchten und Gemüse angebaut wird.
Schardscha erhebt
zudem Ansprüche auf die Inseln Sir Abu Nu'air, Abu Musa, welche seit 1992 vom Iran besetzt und deren Zugehörigkeit umstritten ist.
Das Emirat Schardscha ist insgesamt 2.590 km² groß, was 3,3 % der Landfläche der VAE entspricht.
Schardscha war bis Mitte der 1950er Jahre das bedeutendste Emirat der VAE, konnte
aber wegen der vergleichsweise geringen Erdölvorkommen nicht mit dem Wachstum Abu Dhabis und Dubais mithalten. Heute ist Schardscha mit etwa 946.000 Einwohnern (Ende 2008) das von der
Einwohnerzahl drittgrößte Emirat. Viele Einwohner arbeiten im unmittelbar westlich angrenzenden Dubai, wohnen allerdings der geringeren Miete wegen in Schardscha. Dies hat große
Verkehrsprobleme auf den Straßen morgens und abends zur Folge. Herrscher (Emir) ist seit 1972 Sultan ibn Muhammad aus der Herrscherfamilie al-Qasimi.
Am 2. Dezember 1971 entließ Großbritannien die ehemaligen Trucial States am Persischen Golf, zu
denen auch Schardscha gehörte, in die Unabhängigkeit. Unter Führung von Abu Dhabi wurden die Vereinigten Arabischen Emirate aus den bis dato abhängigen Gebieten – Abu Dhabi, Dubai,
Schardscha, Adschman, Umm al-Qaiwain und Fudschaira – gegründet. Am 10. Februar 1972 trat dann auch Ras’ al-Chaima als siebenter und letzter ehemaliger Trucial State der Föderation
bei.
Schardscha gilt als das konservativste Emirat der VAE, da es noch weitgehend das religiös legitimierte, unabänderliche Gesetz des Islam, die Scharia einhält. Es verfügt z. B.
immer noch über ein strenges Alkoholverbot auch für Ausländer. Des Weiteren sind Kleidungsvorschriften für das Auftreten in der Öffentlichkeit festgelegt, z. B. ist bei Frauen und Mädchen
bauchfreie Kleidung nicht statthaft. Ein Nichtbeachten hat eine Verwarnung und bei fortgesetztem Verstoß eine Geld- und unter Umständen gar eine Haftstrafe zur Folge. Desgleichen streng
wird bei Besitz von Rauschgift oder Partydrogen verfahren, selbst kleinste Mengen können drastische Strafen nach sich ziehen.
Die Emirats-Hauptstadt Schardscha-Stadt am Persischen Golf wächst ständig, hier leben Anfang 2009 mit rund 800.000 Menschen über 90 % der Emiratseinwohner. Sie beherbergt die
wichtigsten Verwaltungs- und Handelszentren und hat darüber hinaus eine Reihe recht beeindruckender Projekte zur Erhaltung der einheimischen Traditionen und Kultur einschließlich mehrerer
Museen. Im Bereich der sogenannten Heritage Area sind noch relativ viele Bauten im traditionellen islamischen Stil erhalten. Bauliche Wahrzeichen sind die beiden überdachten Suqs in
islamischem Stil. Die Stadt ist auch für ihre vielen schönen Moscheen bekannt.
Mit Einsetzen des vehementen Stadtwachstums um 1990, das auch eine Folge des ungemein starken
Wachstums des nur 15 Kilometer entfernten Dubai ist, hat Schardscha eine bemerkenswerte Umgestaltung der gesamten Stadtfläche vorgenommen. Auf den noch weitgehend unbesiedelten Flächen
Richtung Südwesten wurden drei zusammenhängende künstliche Meeresbuchten geschaffen, auf deren Zwischenflächen und kleinen Inseln, vor allem aber an deren ca. 13 Kilometer langen neuen
Ufern die Grundstücke erheblich aufgewertet wurden. Diese stadtgestalterischen Vorhaben befinden sich in vollem Gange, in einigen Jahren dürften sich hier die beliebtesten Lagen befinden.
Es wird schon kräftig in moderne Hochbauten investiert, im Randbereich
des alten Stadtkerns und vor allem am Rande der künstlichen Meeresbuchten wachsen oder stehen bereits viele architektonisch interessante Hochhäuser, einige sogar echte Wolkenkratzer, z.
B. der Al Ayaan Sharjah Gate Tower (224 m) oder der Salam Tower (210 m) sowie z. Z. weitere 4 hohe Türme, die der jungen Stadt inzwischen eine abwechselungsreiche Skyline verschaffen.
Verkehr
Das öffentliche Verkehrssystem hat sich lange auf private Busdienste ohne verlässliche Fahrpläne und vor allem Taxis gestützt. Um den steigenden Bedarf zu bewältigen, plant die
Stadtverwaltung ein neues leistungsfähiges System von Buslinien mit engem Takt. Der Bau einer eigenen Metro wie in Dubai ist ebenso denkbar, falls die im März 2009 in Auftrag gegebene
Studie dies als wünschenswert empfiehlt. Vorstellbar wäre auch, dass man von der größeren Nachbarstadt aus in späterer Ausbaustufe einen Linienast der Dubai Metro bekommt, weil der starke
Verkehr zwischen beiden Städten dieses erforderlich macht. Die Stimmung in Schardscha tendiert jedoch eher zum eigenen System, schon um die Eigenständigkeit des kleineren Emirats
hervorzuheben. Bis zur Fertigstellung des Dubaier Metrosystem um 2020 werden Schardscha und Dubai ohnedies völlig zusammengewachsen sein.
Der Flughafen Schardscha, 13 km östlich des Zentrums, wird u. a. von lokalen Billigfluglinien
genutzt und gilt zurzeit als größter Luftfrachtplatz der VAE, sowie der Hafen Bur Khalid, verbinden die Stadt mit den Nachbarländern und den anderen Emiraten. Der im Vergleich zum nahen
Internationalen Flughafen Dubais ruhige Flughafen wird u. a. durch die Lufthansa Cargo als Drehscheibe für den vorderasiatischen Raum genutzt. Passagierflüge gehen teilweise nach
Westeuropa, jedoch nicht nach Deutschland. Der Flughafen ist außerdem Hauptstandort der staatlichen Billigfluggesellschaft Air Arabia, die Ziele im gesamten Nahen Osten, Indien und
Südosteuropa anfliegt.
Bildungsstandort
Schardscha hat sich durch die Gründung zweier Universitäten zu einem bedeutenden Bildungsstandort in der
Golfregion ausgebaut. Auf einem südlich des Flughafens gelegenen begrünten Kampus von ca. 6 km mal 1 km Fläche ist nördlich die „American University Sharjah“ (AUS) untergebracht und
südlich schließt sich die 1997 gegründete „University of Sharjah“ (UOS) an. Beide Universitäten sind nach amerikanischen Vorbild aufgebaut: jeweils mehrere Colleges und Institute für
Bachelor- und/oder Masterabschlüsse. Alle Gebäude und Einrichtungen sind in einem traditionell arabischen Stil gebaut und mit modernster Technik ausgestattet. Dem riesigen Bedarf an
Akademikern in der Region entsprechend steht die Lehre zurzeit noch im Vordergrund. Langfristig wird auch der Ausbau der Forschung angestrebt, auf dem langgezogenen Gelände sind reichlich
Flächenreserven vorhanden. In beiden Universitäten liegt der Frauenanteil der Studierenden bereits bei über 50 %.
Wirtschaft, Tourismus
Die Stadt ist Sitz des Erdgasunternehmens Dana Gas PJSC. Mit Khor Fakkan hat Schardscha auch einen wichtigen Hafen an der Ostküste. Seit 1993 findet dort die Sharjah Biennale
statt.
Die Bevölkerung Schardschas ist noch immer in einem hohem Maß auf die Arbeitsplätze in Dubai angewiesen. Man schätzt, dass etwa jedes zweite Einkommen der Einwohner im
Nachbaremirat Dubai entsteht, während man wegen der günstigeren Mieten in Schardscha wohnt. Diese Tendenz dürfte ihren Höhepunkt erreicht haben, denn mit der abflachenden Sonderkonjunktur
Dubais holt das ruhige, aber stetige Wachstum Schardschas auf. In den küstennahen neuen Stadtentwicklungsgebieten werden Hotels, Büro- und Gewerbebauten, Einkaufszentren und Wohnungen
gebaut. Hier entstehen vor allem Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor und Handel.
Darüber hinaus ist Schardscha auch Standort von zwei Freihandelszonen, der Sharjah Airport International Free Zone (SAIF-Zone) und der Hamariya Free Zone. Beide
Freihandelsgebiete haben sich in den letzten Jahren rasant entwickelt und sind, nicht zuletzt durch insgesamt relativ günstige Bedingungen für Investoren, zu wichtigen Wirtschaftsfaktoren
in Schardschah geworden. In den Freihandelszonen wickeln bereits mehrere tausend nationale und internationale Unternehmen aus den Bereichen Handel, Industrie und Dienstleistungen ihre
Geschäfte ab.
Der Tourismus wächst relativ unspektakulär im Schatten
Dubais, man unterbietet die Boomstadt oft preislich bei gleicher Hotelleistung. Die Attraktionen der Nachbarstadt sind meist ebenso gut erreichbar wie in Dubai selbst. Das eigene Angebot
an speziellen touristischen Zielen ist noch bescheiden, sieht man von der Sondersituation der schöneren Sakralbauten und stimmungsvolleren Souks ab. Als erste Investition in den
touristischen Ausbau hat im Herbst 2008 das "Sharjah Aquarium" auf der historischen Al Khan-Halbinsel eröffnet, das mit 250 Spezies einen vergleichsweise kleinen, aber
pädagogisch hervorragend aufbereiteten Überblick über die Meeresfauna bietet.
Quelle: Wikipedia, Stand 2010
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